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Phylogenetische Beziehungen in der GrünalgengattungAcrosiphonia

  • P. Kornmann1
Helgoländer wissenschaftliche Meeresuntersuchungen21:BF01609063

https://doi.org/10.1007/BF01609063

Zusammenfassung

1. Fakultative Karyogamie konnte bei keiner der untersuchtenAcrosiphonia-Arten nachgewiesen werden. Alle Arten mit geschlechtlicher Fortpflanzung können sich zusätzlich durch zweigeißelige Schwärmer vermehren.

2.Acrosiphonia spinescens hat heteromorphen Generationswechsel; der Sporophyt ist Codiolum-artig, der monözische Gametophyt fädig. Unverschmolzene zweigeißelige Schwärmer entwickeln sich ebenfalls zum Codiolum-Stadium, in seltenen Fällen auch direkt zu fädigen Pflanzen.

3. Dieser wie auch Punkt 5 sind keine Ergebnisse der vorliegenden Studie, ihr Inhalt ist aber für das Verständnis der Zusammenhänge notwendig. Die isländischeA. grandis hat keinen Generationswechsel, jedoch vereinigt ihr Thallus heteromorphe Bauelemente. Das aus der Zygote zunächst entstehende typischeCodiolum wächst im 16-Kern-Stadium — vermutlich nach vollzogener Reduktionsteilung — unmittelbar zur fädigenAcrosiphonia aus. Die Entwicklung zweigeißeliger Schwärmer zeigt keine morphologischen Unterschiede (Kornmann 1970).

4. AuchAcrosiphonia arcta hat keinen Generationswechsel; die zygotische Phase beschränkt sich auf die erste Zelle ihres fädigen Thallus. Nach wahrscheinlich meiotischer Teilung vierkernig geworden, wächst die Zygote zum fädigen Thallus weiter. Keimlinge aus zweigeißeligen Schwärmern werden nach der ersten Kernteilung zweizellig, ihre weitere Entwicklung gleicht der aus Zygoten.

5.Acrosiphonia sonderi pflanzt sich ausschließlich durch ungeschlechtliche zweigeißelige Zoosporen in gleicher Weise fort, wie dies beiA. arcta undA. spinescens zusätzlich der Fall ist (Kornmann 1962b).

6. DieAcrosiphonia-Arten mit geschlechtlicher Fortpflanzung zeigen eine stufenweise Reduktion der Diplophase von einer absoluten über eine zeitlich begrenzte Selbständigkeit bis zur völligen Einbeziehung in einen einheitlichen Organismus. Die Fähigkeit unverschmolzener Schwärmer, sich direkt zu entwickeln, verbindet diese Arten mit denen ohne geschlechtliche Vermehrung.

7. Die Kenntnis der Lebenszyklen derAcrosiphonia-Arten bildet die Grundlage für eine systematische Gliederung der Gattung, deren Arten in vielen Fällen kennzeichnender morphologischer Unterschiede ermangeln.

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