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Hygienisch-bakteriologische Untersuchungen des Küsten-Meerwassers im Bereich der Nordsee-Insel Sylt

  • J. Peters1, 2
Helgoländer wissenschaftliche Meeresuntersuchungen21:BF01609065

https://doi.org/10.1007/BF01609065

Zusammenfassung

1. Der Gehalt an Bakterien, speziell der coliformen Abwasserbakterien des Meerwassers, wurde im Bereich der Insel Sylt in den Jahren 1967/68 untersucht.

2. Keimzahl und Colititer der Wasserbereiche um Sylt liegen weit unterhalb der von den hygienischen Aufsichtsbehörden als zulässig anerkannten Höchstwerte mit Ausnahme der Bereiche von ca. 500 m Breite beiderseits der Auslässe, die das Abwasser der in das Wattenmeer entwässernden Kläranlagen ableiten.

3. Die Keimzahl ist am Ufer des Wattenmeeres etwa dreimal höher als am Weststrand, am Weststrand etwa zehnmal höher als im uferferneren Meerwasser westlich Sylt. Der Coliformentiter unterscheidet sich in den drei Wasserbereichen jeweils um eine Stufe, d. h. am Wattufer ist die mittlere Coliformen-Konzentration etwa zehnmal höher als am Weststrand, am Weststrand etwa zehnmal höher als in der offenen See.

4. Es besteht eine Abhängigkeit der Bakterienkonzentration von den Gezeiten. Am Weststrand wurden die höchsten Coliformen-Konzentrationen bei Flut gefunden, im Wattenmeer bei Ebbe. Es wird gefolgert, daß die Kontamination des Wattenwassers mit Abwasserbestandteilen vermittels des Gezeitenstromes auch das Wasser an der Westseite der Insel (Hauptbadestrand) beeinflußt.

5. Es betehen deutliche jahrezeitliche Unterschiede der Bakterienkonzentration in den drei genannten Wasserbereichen. Die Keimzahl ist im Sommer in der freien See und am Weststrand niedriger als im Winter. Die Coliformen-Konzentration ist im Sommer in allen Bereichen niedriger als im Winter. Die im Sommer wegen des Fremdenverkehrs stark erhöhte Abwasserbelastung des Sylter Wattenmeeres wird offenbar sehr gut kompensiert dadurch, daß das Seewasser im Sommer eine grö\ere Selbstreinigungskraft besitzt als im Winter.

6. Die Wasserproben des Weststrandes, die mit je zwei verschiedenen Nährböden auf ihre Keimzahl hin untersucht wurden, zeigten einen charakteristischen jahreszeitlichen Unterschied der Bakterienqualität: Unter Zugrundelegung der auf Seewassernährboden erzielten Keimzahl (als 100%) betrug die auf Süßwassernährboden erzielte Keimzahl im Winter 63%, im Sommer dagegen 18%. Das weist darauf hin, daß terrigene (auf Süßwassernährboden vermehrungsfähige) Bakterien im Sommer eine kürzere Überlebenszeit haben als im Winter.

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