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Untersuchungen an der Heringslarvenbevölkerung der Innenjade

  • A. Bückmann1, 2 und
  • G. Hempel1, 2
Helgoländer wissenschaftliche Meeresuntersuchungen6:BF01609100

https://doi.org/10.1007/BF01609100

Zusammenfassung

In Fortsetzung der Untersuchungen der Biologischen Anstalt Helgoland über die Heringsbrut in der südlichen Nordsee wurden in den Jahren 1948 bis 1953 Verbreitung, Längenzusammensetzung und Wirbelzahlen der Heringslarven des Jadegebietes studiert.
  1. 1.

    Von Februar bis Mai dringen schubweise Heringslarven („Larvenwellen“) unterschiedlicher Körperlänge in die Jade ein.

     
  2. 2.

    An Hand der Längenzusammensetzung der Larvenbevölkerung in den einzelnen Monaten lassen sich mehrere Larvengruppen unterscheiden und in den Kurvenbildern verschiedener Jahre (Abb. 1) wiedererkennen. Mit Hilfe älterer und neuer Untersuchungen in See können diese Larvengruppen drei Laichgebieten herkunftsmäßig zugeordnet werden: 1. dem sommerlichen Laichen in der mittleren Nordsee; 2. dem Herbstlaichen im Doggerbankgebiet; 3. dem Frühwinterlaichen in der südlichen Flämischen Bucht; gelegentlich wurden auch noch jüngere Larven festgestellt. Ihre Herkunft von den Laichplätzen im östlichen Kanal war zumindest 1953 fraglich.

     
  3. 3.

    Die statistische Verteilung der Wirbelzahlen bei den Heringslarven folgt nicht der Normalverteilung, sondern ist statistisch gesichert schief und exzessiv. Bei einjährigen Jungheringen treten solche Abweichungen nur noch gelegentlich auf.

     
  4. 4.

    Neben einer Korrelation zwischen mittlerer Wirbelzahl und mittlerer absoluter Körpergröße (Vert. S./Labs) zeigte sich für den Jahrgang 1952 eine Beziehung zwischen Wirbelzahl und Wachstumsgeschwindigkeit, indem innerhalb einer bestimmten Larvengruppe die größten Larven die höchste Wirbelzahl aufwiesen.

     
  5. 5.

    Es kann nicht entschieden werden, ob die hohen Wirbelzahlen kleiner Larven im April und Mai 1952 und 1953, die als Downslarven angesprochen werden, durch deren Herkunft bedingt sind. Die Möglichkeit muß offenbleiben, daß die Wirbelzahlen so hoch liegen, weil es sich bei den untersuchten Larven um die Vorwüchser der betreffenden Larvengruppe (Downslarven) handelt.

     
  6. 6.

    Die Wirbelzahl der in den Nachkriegsjahren untersuchten Heringslarven liegt statistisch gesichert über den Mittelwerten in den Jahrgängen 1928–35. Zum Teil kann dies durch Unterschiede in der Längenzusammensetzung erklärt werden.

     
  7. 7.

    In der Jade gefangene Jungheringe (meist einjährig), der Jahrgänge1947 bis1951 und1955 wiesen eine etwas höhere Wirbelzahl auf als die Larven. In einzelnen Jahren zeigte sich auch hier eine Abhängigkeit der Wirbelzahl von der Körperlänge. Seit 1951 lagen die mittleren Körperlängen der einjährigen Heringe über den Werten der früheren Jahre.

     
  8. 8.

    Auch für die Nachkriegsjahrgänge der Heringslarven besteht eine negative Korrelation zwischen Wirbelzahl und Wassertemperatur im November und Dezember in der südlichen Nordsee.

     
  9. 9.

    Die Erbrütung künstlich befruchteter Eier bei verschiedenen Temperaturen ergab eine negative Korrelation zwischen der Erbrütungstemperatur und der Myomerenzahl frischgeschlüpfter Larven. Auch nach dem Schlüpfen scheint die Anzahl der sichtbaren Myomeren noch temperaturabhängig zu steigen. In den noch nicht abgeschlossenen Versuchen fanden wir Anzeichen dafür, daß Bankheringslarven eine höhere Myomerenzahl als bei gleicher Temperatur erbrütete Küstenheringe aufweisen. Ein genetischer Einfluß kann also nicht ausgeschlossen werden.

     
  10. 10.

    Auf Grund der erzielten Ergebnisse und älterer Untersuchungen wird diskutiert, welchen Veränderungen die mittlere Wirbelzahl einer Larvengruppe unterworfen ist. Die mittlere Wirbelzahl eines Laichschwarmes dürfte auch von Selektions- und Vermischungsvorgängen abhängig sein, die noch nach der Metamorphose wirken.

     

Notes

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