Open Access

Elektrophysiologische Untersuchungen des Auges vonEupagurus bemhardus L.

  • Hennig Stieve1
Helgoländer wissenschaftliche Meeresuntersuchungen7:BF01609825

https://doi.org/10.1007/BF01609825

Zusammenfassung

1. Eine Methode zur elektrophysiologischen Untersuchung der aus dem Krebs-Auge isolierten Retina wird beschrieben.

2. FürEupagurus und andere marine Krebse wird eine physiologische Salzlösung angegeben.

3. Das Belichtungspotential der isolierten Retina vonEupagurus bernhardus — ein einfaches negatives Sehzellenpotential — wird in seiner Abhängigkeit von Dauer und Stärke des Reizlichts sowie vom Adaptationszustand beschrieben.

4. Mit der gleichen Methode wird aus Gründen des Vergleichs das Belichtungspotential des gesamten vom Tier abgetrennten Augenstiels untersucht.

5. Das Bestandpotential wird am Gesamtauge ca. 0,5 mV corneapositiv gemessen. Das Bestandpotential der isolierten Retina ist kleiner und hat in den Versuchen verschiedenes Vorzeichen.

6. Der Widerstand der Retina nimmt bei Belichtung ab.

7. Anodische Polarisation (Distalseite der Retina positiv gegenüber der proximalen) vergrößert und verlängert das Belichtungspotential. Hohe anodische Polarisation verkleinert es.

8. Geringe kathodische Polarisation verkleinert und verkürzt das Belichtungspotential. Bei hoher kathodischer Polarisation wird das Belichtungspotential invers gemessen.

9. Bei positiver sowie bei negativer Polarisation im Dunkeln werden in einigen Fällen mehr oder weniger regelmäßige Oszillationen beobachtet (Abb. 22), deren Amplituden in ähnlicher Weise wie die des Belichtungspotentials von der Polarisationsspannung abhängen.

10. Es wird dargestellt, welchen Einfluß die Orientierung der Retinulae und die Widerstandsänderungen der Retina bei Belichtung auf die Gestalt des von der Retina abgeleiteten Summen-Belichtungspotentials ausüben.

11. Es wird angenommen, daß das Belichtungspotential desEupagurus-Auges ein Membranpotential der Sehzellen ist.

12. Die Widerstandsabnahme der Retina wird als Widerstandsabnahme der Membranen der Sehzellen interpretiert.

13. Die Gestalt des Belichtungspotentials kann gedeutet werden als Folge der Kinetik des Membrangeschehens und der Kinetik der fotochemischen Reaktionen des Sehfarbstoffs.

14. Am Belichtungspotential lassen sich zwei Komponenten (K I und K II) unterscheiden, die vermutlich den Komponenten R und S desDytiscus-Retinogramms (Bernhard, 1942) entsprechen. K II hat bei Ableitung vom Gesamtauge umgekehrtes Vorzeichen wie an der isolierten Retina.

15. Die durch Polarisation bedingten Veränderungen des registrierten Belichtungspotentials sind weitgehend eine Folge der Widerstandsänderung der Retina bei Belichtung. Hohe anodische (wahrscheinlich auch kathodische) Polarisation beeinflußt aber außerdem die Eigenschaften der erregbaren Membran selbst.

16. Es wird angenommen, daß neben der Abnahme der Konzentration des Sehfarbstoffs eine elektrotonische Wirkung von K II die adaptativen Veränderungen des Belichtungspotentials verursacht.

Notes

Advertisement