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Experimentelle Untersuchungen zum Stockwachstum und zur Medusenbildung bei dem marinen HydrozoonEirene viridula

  • M. Bierbach1 und
  • D. K. Hofmann1
Helgoländer wissenschaftliche Meeresuntersuchungen25:BF01609961

https://doi.org/10.1007/BF01609961

Zusammenfassung

1. Die Entwicklung sessiler und freischwimmender Stöcke verschiedener Größenklassen vonEirene viridula (Thecata-Leptomedusae) wurde unter verschiedenen Temperaturbedingungen untersucht.

2. Sowohl nach Aufzucht bei konstant 20° C als auch nach positivem Temperaturwechsel von 20° nach 25° oder 29° C lag die Endgröße der Mehrzahl der sessilen Stöcke höher als die der freischwimmenden Kolonien.

3. Die diesem Temperaturwechsel unterworfenen sessilen und freischwimmenden Stöcke waren bei Versuchsende in der Mehrzahl kleiner als die der 20° C-Stufe. Für diese Zuwachsminderung ist teilweise die am 9. Tag nach Temperaturerhöhung beobachtete Resorption von Polypen verantwortlich; als weiterer Faktor wird die „physiologische Konkurrenz“ der Polypenpropagation mit der durch den Temperaturwechsel ausgelösten Medusenbildung diskutiert.

4. Negativer Temperaturwechsel wirkte sich im ganzen hemmend, in einigen Fällen sogar ausgesprochen schädigend auf die Stockentwicklung aus.

5. Positiver Temperaturwechsel von 20° nach 25° oder 29° C löste bei Stöcken beider Wuchsformen die Bildung von Gonangienständen mit Blastostylen und Medusenknospen aus. Ausgenommen bei den nach 25° C umgesetzten sessilen Stöcken entwickelten sich stets einige der Medusenknospen zu voll ausdifferenzierten, sich vom Stock ablösenden Medusen. Die übrigen Medusenknospen atrophierten. Eine Umentwicklung der Medusenknospen zu Polypen wurde nie beobachtet.

6. Positiver Temperaturwechsel von 25° nach 29° C löste lediglich bei freischwimmenden Kolonien Medusenknospenbildung aus; bei wenigen Stöcken lösten sich auch Medusen ab.

7. Freischwimmende Stöcke reagierten auf positive Temperaturänderung mit Bildung von Medusenknospen in der Mehrzahl 1 bzw. 2 Tage eher als sessile Stöcke, bei letzteren war auch die Knospungsrate insgesamt geringer.

8. Negativer Temperaturwechsel (von 25° nach 20°, 29° nach 20° und 29° nach 25° C führte nur im Umsetzversuch von 29° nach 25° C bei freischwimmenden Kolonien, nicht aber bei sessilen Stöcken, zur Bildung von Medusenknospen und bei einigen der Stöcke auch von freien Medusen.

9. Für die Auslösung der Medusenknospung war keine bestimmte Mindestgröße nachweisbar. Medusenknospen entstanden nach positiver Temperaturänderung bei freischwimmenden Stöcken ohne vorherigen Stockzuwachs bereits ab Ausgangsgröße (A) 1, freie Medusen ab (A) 3. Bei sessilen Stöcken traten Medusenknospen ebenfalls ohne vorherige Stockvergrößerung ab (A) 3 auf.

10. Inkubation mit dem alkylierenden ZytostatikumTrenimon in Verbindung mit Temperaturerhöhung von 20° auf 25° C führte bei der Einwirkung von 4×10−2mg/ml während 10 Minuten in allen Fällen, von 4×10−3 mg/ml bei einem der Stöcke zur vollständigen, irreversiblen Polypenresorption. Weiterentwicklung erfolgte nur auf der Differenzierungsstufe von Stolonen. Die übrigen mit 4×10−3 mg/ml und alle mit 4×10−4 mg/mlTrenimon behandelten Stöcke vermochten — teilweise erst nach Überwinden einer Degressionsphase — Polypen zu sprossen und in die Medusenbildung einzutreten.

11. Behandlung mit 4 × 10−2 mg/mlTrenimon bewirkte irreversible Schädigung und den Verlust aller I-Zellen. Nach Behandlung mit nur 1 × 10−3 oder 1 × 10−4 mg/ml blieben I-Zellen erhalten. Aus den Befunden wurde deshalb geschlossen, daß I-Zellen für die Morphogenese von Polypen und Medusen beiEirene viridula unabdingbar sind.

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