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Zur Dynamik exploitierter Populationen vonTisbe holothuriae (Copepoda, Harpacticoida)

III. Reproduktion, Geschlechtsverhältnis, Entwicklungsdauer und Überlebenszeit
  • M. Hoppenheit1
Helgoländer wissenschaftliche Meeresuntersuchungen28:BF01610348

https://doi.org/10.1007/BF01610348

Zusammenfassung

1. An wöchentlich mit Raten von 0,10; 0,30; 0,50; 0,70 oder 0,90 exploitierten Populationen des harpacticoiden CopepodenTisbe holothuriae Humes wurde unter konstanten Bedingungen (22° C, 30 ‰ S) die Abhängigkeit der Reproduktionsleistung, des Geschlechtsverhältnisses, der Entwicklungsdauer und der Überlebenszeit von der Exploitationsrate untersucht.

2. Es lassen sich drei Klassen von Eisäcken unterscheiden: (a) Eisäcke mit Entwicklung aller Eier bis zum schlüpfenden Nauplius, (b) Eisäcke mit Entwicklung nur eines Teils der Eier und (c) Eisäcke, aus denen keine Nauplien hervorgehen. Eine Abhängigkeit von der Entnahmerate besteht bei den Anteilen an Eisäcken, bei denen aus allen Eiern oder aus keinem Ei Nauplien hervorgehen.

3. Der Anteil an Eisäcken, aus denen keine adulten Individuen hervorgehen, ist bei allen Entnahmeraten größer als der Anteil, aus dem keine Nauplien schlüpfen. Der Unterschied entsteht durch Eisäcke, bei denen unmittelbar nach dem Schlupf sämtliche Nauplien sterben.

4. Die Zahl der pro 100 Eisäcke im Mittel produzierten Eier, Nauplien und adulten Individuen ist abhängig von dem Mittel der mittleren Populationsdichten zwischen den Entnahmen.

5. Bei allen Befunden wird die durch die Exploitationsrate beeinflußte mittlere Populationsdichte zwischen den Entnahmen als die unmittelbarer wirkende Einflußgröße angesehen.

6. Bei höherer Entnahmerate beziehungsweise geringer mittlerer Populationsdichte zwischen den Entnahmen werden im Mittel pro Eisack mehr Eier, Nauplien und adulte Individuen produziert als bei geringer Entnahmerate beziehungsweise höherer mittlerer Populationsdichte zwischen den Entnahmen. Es scheint die Tendenz zu bestehen, unabhängig von der Entnahmerate einen durch die Kulturbedingungen als Führungsgröße vorgegebenen Sollwert der Biomasse zu erreichen und konstant zu halten.

7. Die Sterberate der Nauplien ist bei der Entnahmerate von 0,90 herabgesetzt. Das Reproduktionspotential wird allerdings selbst bei dieser Entnahmerate nur etwa zur Hälfte ausgenutzt.

8. Außer bei der Entnahmerate von 0,90 werden im Mittel pro Eisack mehr Embryonen gefunden als Nauplien schlüpfen. Die relative Häufigkeit der Eier und Eisäcke, in denen keine Embryonen gefunden werden, zeigt keine Anhängigkeit von der Entnahmerate beziehungsweise der mittleren Populationsdichte zwischen den Entnahmen.

9. Bei isolierten ♀♀ zeigt sich unmittelbar nach der Isolierung eine Abhängigkeit der Frequenz der Eisackbildung von der Entnahmerate beziehungsweise der mittleren Populationsdichte zwischen den Entnahmen. Es scheint, als erführen die Individuen durch die Populationen, aus denen sie stammen, eine „Prägung“, die in der Isolation allerdings bald verlorengeht.

10. Das Geschlechtsverhältnis ist abhängig von der Entnahmerate beziehungsweise der mittleren Populationsdichte zwischen den Entnahmen. Bei der Entnahmerate von 0,90 überwiegt die Zahl der ♂♂, bei der Entnahmerate von 0,10 die der ♀♀.

11. Bei isolierten Brutsätzen konnte eine Abhängigkeit der embryonalen Entwicklungsdauer von der Entnahmerate beziehungsweise der mittleren Populationsdichte zwischen den Entnahmen beobachtet werden. Eine Beeinflussung der Überlebenszeit adulter ♀♀ sowie der Geschwindigkeit der Entwicklung vom geschlüpften Nauplius bis zum adulten Individuum konnte bei den isolierten Brutsätzen nicht festgestellt werden.

12. Das mittlere Gewicht eines Individuums im adulten oder Copepoditstadium und die mittlere Länge des adulten ♀ stehen in inverser Beziehung zur mittleren Populationsdichte zwischen den Entnahmen.

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