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Bewuchsuntersuchungen auf Natursteinsubstraten im Gezeitenbereich des Nordsylter Wattenmeeres

  • G. Luther1
Helgoländer wissenschaftliche Meeresuntersuchungen28:BF01610350

https://doi.org/10.1007/BF01610350

Zusammenfassung

1. Um die Wechselbeziehung zwischen Substrat und Bewuchs zu untersuchen, wurden natürlich gewachsene Gesteine im Norden der Insel Sylt neben dem Hafen von List am Anleger der dänischen Autofähre angebracht und in den Jahren 1971 bis 1973 regelmäßig kontrolliert.

2. Abiotische Faktoren (Position, Wassertemperatur) und biotische Faktoren (Planktongehalt, Konkurrenten, Weidegänger und Räuber) beeinflußten die Entwicklung des Bewuchses.

3. Die Wechselbeziehungen zwischen Plankton- und Bewuchsorganismen sowie der Wassertemperaturen spiegelten sich während der Jahre 1971 und 1972 in quantitativen und qualitativen Populationsunterschieden wider.

4. Nach einer Frostperiode im März 1971 war das Plankton individuenärmer als 1972. Die Besiedlung vonBalanus balanoides setzte später und weniger dicht als im folgenden Jahr nach einem milden Winter ein. Nachdem sich im Mai 1971 das Wasser des Wattenmeeres in wenigen Tagen auf 14° C erwärmte, entwickelten sich einige meroplanktische Formen fast explosionsartig. Es folgte auf den Substraten eine intensive Besiedlung vonMytilus edulis, Polydora ciliata undB. improvisus, die 1972 in dieser Höhe nicht mehr erreicht wurde.

5. 1972 herrschten im Gegensatz zum Vorjahr Copepoden und wärmeliebende Formen,Noctiluca miliaris, Oikopleura dioica, im Plankton vor. Unte den Bewuchsorganismen traten die TierartenTubularia larynx, Laomedea flexuosa undLanice conchilega häufiger als 1971 auf.

6. Im extrem warmen Sommer 1975 (mittlere Wassertemperatur im August 20° C) siedelte sichElminius modestus zahlreich zwischenBalanus balanoides im oberen Eulitoral an. Der von Australien eingeschleppte Balanide war bisher im Untersuchungsgebiet nur gelegentlich gefunden worden.

7. Neben dem Planktongehalt konnten als biotische Faktoren der Einfluß von Konkurrenten, Weidegängern und Räubern erfaßt werden. Konkurrenzen zwischen Balaniden einer oder nahe verwandter Arten regulierten die Abundanz. Nacktschnecken und Pantopoden beeinträchtigten als Weidegänger die Entwicklung von Hydrozoenkolonien, und der SeesternAsterias rubens bestimmte durch seine räuberische Tätigkeit die untere Verbreitungsgrenze vonMytilus edulis und den endemischen Balanidenarten. Die Grenze reichte knapp unter die Mitteltiden-Niedrigwasserlinie.

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