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Stephanoscyphus planulophorus n. spec., ein neuer Scyphopolyp mit einem neuen Entwicklungsmodus

  • B. Werner1
Helgoländer wissenschaftliche Meeresuntersuchungen22:BF01611366

https://doi.org/10.1007/BF01611366

Zusammenfassung

  1. 1.

    Mit anderen Scyphopolypen einer vonStephanoscyphus verschiedenen Gattung wurden im Oktober 1969 in submarinen Höhlen der Marseiller Felsküste 4 lebende Exemplare einer solitärenStephanoscyphus-Art gefunden, die in Laboratoriumskultur genommen und über den ganzen Lebenszyklus gezüchtet werden konnte.

     
  2. 2.

    Durch einen bisher bei Scyphopolypen und speziell beiStephanoscyphus unbekannten Entwicklungsmodus hat sich der Polyp als neue Art erwiesen, dieS. planulophorus nov. spec. benannt wird.

     
  3. 3.

    Die Peridermröhre des Polypen wird nach Form und Struktureigenschaften beschrieben. In ihrer unteren Hälfte befinden sich auf der Innenwand 4–5 horizontale Zahnkränze. Sie bestehen aus 16 Einzelzähnen, die eine charakteristische symmetrische Anordnung und Größenausbildung besitzen.

     
  4. 4.

    Im Gesamthabitus und in den wesentlichen Eigenschaften des Weichkörpers unterscheidet sich der Polyp nur wenig von anderen Arten. Der im Kopfteil vorhandene entodermale Ringkanal öffnet sich zum Gastralraum durch 4 rundliche perradiale Poren.

     
  5. 5.

    Der Polyp besitzt ein Bicnidom aus holotrichen Haplonemen und mikrobasischen Eurytelen.

     
  6. 6.

    Die Strobilation beginnt in der fürStephanoscyphus typischen Weise und ist mit der Bildung eines Deckelapparates verbunden, der die Röhrenmündung vollständig nach außen verschließt. Sie führt zur Entstehung einer Strobilationskette von zahlreichen Ephyren-Anlagen, die als solche durch die flache Scheibenform und den gelappten Schirmrand sowie durch schwache Kontraktionsbewegungen der Randlappen deutlich zu erkennen sind. Die Keime lösen sich von der Strobilationskette als scheibenförmige Ephyren-Anlagen ab und wandeln sich in der geschlossenen Röhre über ein kugeliges Zwischenstadium direkt in die bewimperte ellipsoide Planula um. Nach einer Inkubationsperiode von ca. 20 bis 50 Tagen schlüpfen die Planulae aus der Röhre aus, wobei der Peridermdeckel durchbrochen wird. Nach einer längeren planktischen Phase heften sie sich an einem geeigneten Substrat an und wandeln sich in den Jungpolypen um, womit der Lebenszyklus geschlossen ist.

     
  7. 7.

    Die Frage nach dem Vorhandensein und der Art der Geschlechtsphase bleibt ungeklärt.

     
  8. 8.

    Der beschriebene Entwicklungsmodus wird in seiner systematischen, evolutionistischen und ökologischen Bedeutung diskutiert.

     
  9. 9.

    Die sichere Identifizierung der neuen Art ist nur durch die Kenntnis des abweichen-Entwicklungsganges möglich; er muß daher in die Artdiagnose aufgenommen werden.

     

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