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Das Geruchsorgan des TiefseefischesAphanopus carbo (Percomorphi, Trichiuridae)

  • A. Holl1 und
  • W. Meinel1
Helgoländer wissenschaftliche Meeresuntersuchungen196818:BF01611678

https://doi.org/10.1007/BF01611678

Publiziert: 1. Dezember 1968

Zusammenfassung

  1. 1.

    In der vorliegenden Arbeit wurden an dem TiefseefischAphanopus carbo Lowe 1839 erstmals der Bau des Geruchsorgans, seiner akzessorischen Teile sowie des Vorderhirns untersucht.

     
  2. 2.

    Die Öffnung zur Riechhöhle ist vom monotremen Typus. Das Geruchsorgan besteht aus 18 bis 21 Riechfalten, die unmittelbar der Riechhöhlenöffnung gegenüberliegen. Die Riechfaltenanordnung in einer geschlossenen, wenn auch leicht gestreckten Rosette entspricht dem 360°-Typ. Eine sekundäre Fältelung auf den Hauptfalten ist als Riechfeldvergrößerung zu deuten.

     
  3. 3.

    Das Riechepithel, das in seinem histologischen Aufbau keine nennenswerten Abweichungen zu den entsprechenden Verhältnissen anderer Fischarten zeigt, bedeckt in kontinuierlicher Form alle Faltenregionen, auch die sekundären Fältchen. Damit ergibt sich für die Fläche des Riechfeldes ein optimaler Wert. Die Gesamtzahl der Geruchsrezeptoren pro Organ dürfte nach Schätzungen zwischen 5×106 und 107 liegen. Auffallend ist die große Zahl der in allen Riechepithelregionen vorhandenen Sekretzellen, deren Funktion unbekannt ist.

     
  4. 4.

    Von der eigentlichen Riechhöhle, deren häutiger Boden die Riechfalten trägt, ziehen zwei durch ein Septum getrennte Ethmoidalsäcke rostrad sowie ein aus zwei Anteilen bestehender Lacrymalsack ventrad. Hierbei handelt es sich um ein Ventilationssystem, dessen Aufgabe darin besteht, einen Wasseraustausch innerhalb der Riechhöhle bzw. die damit verbundene permanente Umspülung der Riechfalten zu gewährleisten. Die Ventilationsbewegung wird ganz offenbar durch die Splanchnokinetik induziert, dürfte also rhythmisch sein.

     
  5. 5.

    Das Vorderhirn zeigt eine beachtliche Ausbildung, die zwischen der von typischen Makrosmaten einerseits und Mikrosmaten (unter den Fischen) andererseits zu sehen ist.

     
  6. 6.

    Das olfactorische System vonA. carbo ist — verglichen mit dem anderer Knochenfische — relativ hochentwickelt. Daraus läßt sich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ableiten, daß neben dem stark ausgebildeten Auge das Geruchsorgan eine wesentliche Rolle im Leben dieses Fisches spielt.A. carbo ist demnach in die Nähe der Gruppe I („Augen-Nasen“-Fische nachTeichmann 1954) mit optisch olfactorischer Hochleistung einzustufen.

     

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