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Zur Systematik und Ökologie (Lebenszyklen, Populationsdynamik) der Turbellarien-GattungParomalostomum

Untersuchungen am Sandstrand der Nordseeinsel Sylt
  • R. Pawlak1
Helgoländer wissenschaftliche Meeresuntersuchungen19:BF01611980

https://doi.org/10.1007/BF01611980

Zusammenfassung

1. Die vorliegende Arbeit liefert Beiträge zur Systematik, Ökologie und Fortpflanzungsbiologie psammobionter Macrostomida vom Sandstrand der Insel Sylt (Ostufer vor der Litoralstation der Biologischen Anstalt Helgoland in List). Der systematische Teil erstreckt sich auf einige Vertreter der GattungParomalostomum undHaplopharynx rostratus.

2. Die Organisation der neuen ArtParomalostomum proceracauda wird nach Untersuchungen an Quetschpräparaten und Schnittserien wiedergegeben.

3. Die kutikularen Bildungen des Genitalapparates vonParomalostomum fusculum Ax,P. dubium (de Beauchamp) undHaplopharynx rostratus Meixner werden eingehend beschrieben.

4. Im ökologischen Hauptteil sind die quantitative Verteilung, Populationsdynamik und der Lebenszyklus vonP. fusculum behandelt.

5. Mit nahezu 2% Anteil an der Gesamtmetazoenfauna erweist sichP. fusculum als eines der häufigsten Turbellarien im Watt vor der Litoralstation List. Die Besiedlungsdichte in den Profilen schwankt zwischen 20 100 Individuen im Januar 1968 und 115 500 im Oktober 1967 pro m2-Fläche und 10 cm Tiefe. Lokal treten Massenentwicklungen auf.

6. Zum erstenmal sind für einen typischen Wattbewohner klare jahreszeitliche Unterschiede in der vertikalen Verteilung nachgewiesen. Im Sommer besiedeltP. fusculum die obersten 4 cm des Watts, da hier das Nahrungsangebot (Diatomeen) besonders groß ist. Tiefere Zonen werden gemieden. Im Winter ist die Reduktionszone in der Regel nicht so stark ausgebildet und fehlt stellenweise ganz.P. fusculum kann daher bei sinkenden Temperaturen in tiefer gelegene Zonen ausweichen. Das Aufenthaltspräferendum liegt von November 1967 bis März 1968 in 4–6 cm Tiefe. Vereinzelt kommtP. fusculum noch in 24 cm Tiefe vor.

7. Die Hauptproduktionszeit vonP. fusculum erstreckt sich über die Monate Mai bis Juli. Die im Sommer geschlüpfte Population erreicht bis zum Winter die männliche Reife und überwintert in diesem Stadium. Im darauffolgenden Frühjahr schließt die Entwicklung mit Erreichen der weiblichen Reife ab. Während des ganzen Jahres treten Jungtiere auf. Vermutlich überwintert ein Teil der in der Reproduktionszeit sich entwickelnden Tiere im Eistadium. Diese schlüpfen größtenteils im Frühjahr. Der Entwicklungsverlauf dieser Nachzügler ließ sich nicht eindeutig bestimmen.

8. Die Nahrung vonP. fusculum besteht hauptsächlich aus Diatomeen und Foraminiferen; es werden aber auch psammobionte Crustaceen, Nematoden und Tardigraden aufgenommen.P. dubium ernährt sich fast ausschließlich von Nematoden.

9. Die Eiablage vonP. fusculum undP. dubium wird beschrieben. Die Eischalen werden mit breiter Basis an Sandkörnern befestigt. Sie weisen artspezifische Unterschiede auf. Schalen mit Deckel stammen vonP. fusculum, Eischalen ohne Deckel vonP. dubium.

Notes

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