Open Access

Physiologische und ökologische Aspekte des Lebens in Ästuarien

  • Otto Kinne1
Helgoländer wissenschaftliche Meeresuntersuchungen11:BF01612365

https://doi.org/10.1007/BF01612365

Zusammenfassung

1. Die physiologischen und ökologischen Eigenarten ästuariner Organismen werden erörtert, und zwar unter besonderer Berücksichtigung der diesen zu Gebote stehenden Kompensationsmöglichkeiten gegenüber unerwünschten Salinitäts- und Temperaturverhältnissen. Trotz ihrer unterschiedlichen Baupläne zeichnen sich typische Ästuarbewohner durch eine Reihe recht ähnlicher Reaktionsmuster aus.

2. Permanente Ästuarbewohner sind in ihren physiologischen und ökologischen Reaktionen durchweg ausgesprochen euryplastisch. Sie verfügen über ein großes abiotisches Potential. Ihr biotisches Potential (Widerstandsfähigkeit gegenüber biotischen Faktoren; Konkurrenzvermögen) dagegen ist vielfach gering.

3. Es werden vier Gruppen von Kompensationsmöglichkeiten unterschieden: Ausweichreaktionen (direkte und indirekte), Kontaktverminderungen (Absonderung schützender Substanzen, Rückzug in Wohnhöhlen etc., Verringerung des Oberflächen/Volumen-Quotienten, Einziehen empfindlicher Organe, Schalenverschluß, langfristige Veränderungen der Körperform, Transformationen in Ruhestadien), Regulationen (Ionen-, Volum- und Osmoregulation), Adaptationen (genetische und nichtgenetische).

4. Die vier unterschiedenen Kompensationsmöglichkeiten lassen sich nicht immer bis ins letzte Detail klar voneinander trennen. Sie können gleichzeitig in ein und demselben Individuum wirksam werden. Ihre begriffliche Differenzierung erleichtert aber die Erarbeitung der teilweise recht komplexen Zusammenhänge.

5. Hinsichtlich einer Kompensation der schädlichen Wirkungen ungeeigneter Salinitätsverhältnisse sind Ausweichreaktionen, Kontaktverminderungen und Regulationen von besonderer Bedeutung. Bei ungünstigen Temperaturverhältnissen beschränken sich die Kompensationsmöglichkeiten vor allem auf Ausweichreaktionen und Adaptationen. Ungünstige Salzgehaltsverhältnisse können demnach rascher und effektvoller kompensiert werden.

6. Das profilierteste physio-ökologische Merkmal der Ästuarbewohner, die Euryplastizität, scheint eine schwer erwerbbare, phylogenetisch recht alte und konservative Eigenschaft darzustellen.

Notes

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