Open Access

Aktivität und Verhalten wandernderLampetra fluviatilis, Lota lota undAnguilla anguilla im Tidegebiet der Elbe

  • Friedrich-Wilhelm Tesch1
Helgoländer wissenschaftliche Meeresuntersuchungen196716:BF01620691

https://doi.org/10.1007/BF01620691

Publiziert: 1. August 1967

Zusammenfassung

1. Durch Kontrollfänge in den Fischaufstiegseinrichtungen des Elbe-Stauwehres Geesthacht wurde ermittelt, welche Umweltfaktoren den Aufstieg der Wanderfischarten aus dem Elbeästuar beeinflussen.

2. Zu den Laichplätzen im Mittellauf der Elbe wandernde Neunaugen,Lampetra fluviatilis (L.), passierten Ende September 1966 an wenigen aufeinanderfolgenden Tagen in relativ großer Individuenzahl das Wehr. Ein ähnlicher Aufstieg wurde 1960 Anfang Dezember beobachtet (Mann 1961). Beide Male erschienen die Fische in maximaler Häufigkeit 1 bis 3 Tage vor Vollmond. Eine Abhängigkeit von irgendwelchen hydrographischen Faktoren konnte in Geesthacht nicht ermittelt werden. Die Wanderungen scheinen überwiegend bei Nacht stattzufinden.

3. Eine Auswertung der Anlandungen vonLampetra fluviatilis beim Hamburger Seefischmarkt ergab, daß Fangmaxima etwa 4 Tage nach Voll- und Neumond auftraten. Es wird daher angenommen, daß eine mondperiodische Abhängigkeit des Aktivitätsbeginnes der Laichwanderung im Ästuar besteht, die nur bei Tage unterbrochen wird. Die Mondphasengleichheit 100 km weiter elbaufwärts in Geesthacht ist dann eine Auswirkung dieses Aktivitätsbeginnes.

4. Die Untersuchungen über den Häufigkeitsablauf der Wanderung von Jungaalen,Anguilla anguilla (L.), bestätigte, daß eine ausgesprochene Temperaturabhängigkeit der Wanderaktivität besteht. Am Tage ist die Aktivität der untersuchten Entwicklungsstadien gering.

5. Die QuappeLota lota (L.), passierte das Stauwehr Geesthacht bei ihrer Wanderung zu den Laichplätzen im Mittellauf der Elbe in besonders großer Anzahl bei extrem hohen Tidehochwasserständen, wobei verschiedene hydrographische und meteorologische Faktoren auslösend gewirkt haben können. Erhöhte Fangmengen müssen nicht unbedingt durch erhöhte Aktivität bedingt sein. Die Wanderungen fanden vornehmlich bei Temperaturen zwischen +2 und +7° C statt.

6. Bei Veränderung des Abflußquerschnittes der Elbe an den Wehrsektoren in Geesthacht wurde der Aufstieg vonLampetra fluviatilis erheblich beeinflußt. Hieraus und aus früheren Untersuchungen geht hervor, daßLampetra fluviatilis am Rande des Hauptstromes aufsteigt und nicht wieAnguilla anguilla in stagnierende Seitenbuchten ausweicht.

7. Die untersuchten Entwicklungsstadien pigmentierter Jungaale weichen während ihrer Wanderung erheblich von der Orientierung- und Verhaltensweise der jüngeren Glasaale und der mehr stationären, älteren, nur gelegentlich wandernden Aaale ab.

Notes

Advertisement