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Die Nesselkapseln der Anthozoen und ihre Bedeutung für die phylogenetische Systematik

  • H. Schmidt1
Helgoländer wissenschaftliche Meeresuntersuchungen23:BF01625294

https://doi.org/10.1007/BF01625294

Zusammenfassung

1. Phasen- und elektronenoptische Untersuchungen an Nesselkapseln von 35 Anthozoenarten aus Atlantik, Mittelmeer und Rotem Meer haben bei den einzelnen Klassen und Ordnungen eine große morphologische Divergenz der bisher gültigen Nesselkapseltypen (Weill 1934,Carlgren 1940) ergeben.Weills Nesselkapseltypen haben daher nur geringe taxonomische und phylogenetische Bedeutung.

2. Atriche Haplonemen kommen nur bei den Ceriantharia und Actiniaria vor. Sie sind symplesiomorph.

3. Die holotrichen Haplonemen weisen die größte Dornenmannigfaltigkeit auf. Die Dornen sind teilweise morphologisch wesentlich differenzierter als bei den rhabdoiden Heteronemen. Die meisten holotrichen Haplonemen sind auf Grund ihrer speziellen Dornenstruktur apomorphe Merkmale verschiedener Anthozoengruppen. Sie sind aber als Kategorie kein konstitutives Merkmal.

4. Als symplesiomorphes Merkmal kommen bei zahlreichen Anthozoen am Schlauch verschiedener holotricher Haplonemen und am Faden verschiedener rhabdoider Heteronemen T-förmige Dornen vor. Spitze Dornen oder unbewaffnete Endfäden sind apomorphe Merkmale.

5. Rhabdoide Heteronemen sind der einzige Nesselkapseltyp der Octocorallia, die sich wie die b- und p-Rhabdoiden der Hexacorallia in der Bewaffnung des Fadens unterscheiden.

6. Auf Grund der vorliegenden Nesselkapselbefunde sind die Ceriantharia die ursprünglichsten Hexacorallia. Die Ceriantharia verfügen wie die ursprünglichen Actiniaria über die einfachsten Haplonemen und die am höchsten differenzierten Heteronemen.

7. Actiniaria und Zoantharia sind in der Ausbildung anoploteler p-Rhabdoiden synapomorph mit einigen Ceriantharia.

8. Die Zoantharia sind mit den Actiniaria in der Ausbildung völlig identischer p-Rhabdoiden (p-Rhabdoiden A) synapomorph.

9. Als Schwestergruppe der Zoantharia sind die Antipatharia zu betrachten, die über weitgehend gleiche rhabdoide Heteronemen, mit Ausnahme einiger autapomorpher Typen, wie die Zoantharia verfügen.

10. Die Nesselkapseln der Madreporaria (Scleractinia) und der Corallimorpharia stimmen mit Ausnahme einiger nur den Corallimorpharia eigenen spezieller Holotrichen in allen morphologischen Details vollständig überein. Die Nesselkapselbefunde beider Anthozoengruppen, die hier einheitlich als Madreporaria zusammengefaßt werden, haben dagegen nur wenige Hinweise auf verwandtschaftliche Beziehungen zu den Actiniaria ergeben. Die Ergebnisse werden in einer Stammbaumtabelle dargestellt.

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